So setzen Kommunen im Herbst und Winter wirksame Maßnahmen zum Schutz ihrer Gewässer um
- Auch im Herbst keine Entwarnung beim Wasserstand. Pegelstände in Baden-Württemberg auf extrem niedrigem Niveau. Große Belastung für Flora und Fauna an und in den Gewässern.
- Kommunen können jetzt aktiv werden und ihre Gewässer über die Herbst- und Wintermonate hinweg für 2027 widerstands- und anpassungsfähiger machen.
- Oktober bis Februar ideale Zeit für Baumpflanzungen, das Bauen von Kaltwasserpools für Fische und weitere Maßnahmen.
Die seit Monaten anhaltende Trockenheit in Baden-Württemberg ist nach wie vor akut, es gibt keine Entwarnung, was die Niedrigwasser-Situation im gesamten Land betrifft. Gewässer besser vor extremer Hitze zu schützen, wird künftig eine immer wichtigere Aufgabe für die Kommunen im Land. Sie können die Herbst- und Wintermonate dafür nutzen, um ihre Bäche und Flüsse widerstandsfähiger gegen die immer häufiger auftretenden Trockenheits-Phasen zu machen. Beispielsweise durch die Beschattung der Gewässer durch Baumpflanzaktionen oder den Bau von Fischunterständen schützen sie Flora und Fauna. Die Fachleute des Kompetenzzentrums Wasser und Boden der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) unterstützen Kommunen mit Informationen und Praxisbeispielen. Vitale Gewässer sind gegenüber Niedrigwasser resilienter und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilität natürlicher Ökosysteme sowie zur Lebensqualität der Bevölkerung. Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, tragen zu einem ausgeglichenen Wasserhaushalt bei und wirken als natürliche Puffer bei Hitze und Niedrigwasser sowie bei Hochwasser und Starkregen.
Beschatten der Gewässer schützt vor Hitze
Bäume und Gehölz an Ufern von Bächen und Flüssen erfüllen wichtige Aufgaben. Sie wirken wie natürliche Klimaanlagen für die Gewässer und schützen vor einer intensiven Erwärmung.

Bildquelle: Bernd Karolus/LUBW
Vitale Gewässer mit natürlichen und vielfältigen Gewässerstrukturen verfügen über genügend Raum, Ufergehölz zur Beschattung und natürliche Abflussverhältnisse. Darüber hinaus können sie Extremwetterereignisse besser abpuffern. Viele Bäche und Flüsse wurden in der Vergangenheit jedoch stark verbaut und haben diese natürlichen Fähigkeiten eingebüßt. Das Anpflanzen von Schatten spendenden Bäumen und Sträuchern ist daher eine wirkungsvolle Maßnahme hin zu mehr Resilienz. „Geeignete Baumarten für die Pflanzung an Ufern sind beispielsweise Schwarz-Erlen, Baumweiden, Flatter-Ulmen und Schwarzpappeln“, so Martina Bachmann, Expertin für Gewässerunterhaltung bei der KEA-BW. „Wichtig ist es, die Bäume oder Sträucher möglichst nah an der Uferlinie zu pflanzen. Dann bieten die Baumwurzeln später auch noch Struktur und natürliche Unterstände für Fische.“ Konkrete Planungen sind mit der unteren Naturschutzbehörde und der unteren Wasserbehörde abzuklären.
Rückzugsräume für Fische schaffen
Hinzu kommt: Kälteliebende Fische wie Bachforellen geraten angesichts der klimatischen Entwicklung immer mehr unter Temperaturstress. In naturnahen Gewässern bieten natürliche Vertiefungen und tiefe Rinnen am Boden den Fischen wichtige kühlere Rückzugsräume. In verbauten Gewässern fehlen diese natürlichen Grundlagen. Hier können künstliche Kaltwasserpools helfen. Das sind künstlich angelegte Vertiefungen am Gewässergrund, die durch Grundwasser oder kalte Zuflüsse gespeist werden. Das kühlere Wasser bietet Äschen und Bachforellen bei niedrigen Wasserständen und hohen Temperaturen einen Rückzugsbereich.

Bildquelle: Martina Bachmann/KEA-BW
Eine weitere sinnvolle Baumaßnahme zum Schutz der Fische ist das Errichten von künstlichen Fischunterständen. „Mit Fischunterständen schaffen Gemeinden für die heißen Monate Ausweichorte für die dort vorkommenden Fischarten“, sagt Georg Kahles. „Fischunterstände sind überall dort sinnvoll, wo natürliche Unterstände wie Wurzeln nicht mehr vorhanden sind.“ Künstlich geschaffene Fischunterstände sollten von der Beschaffenheit her an die Art der Fische angepasst werden. Großwüchsige Schwarmfische wie Nasen und Barben brauchen große und tiefe Unterstände, während Bachforellen kleinere Unterstände bevorzugen.
Kompaktinfos: https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/10264
Bausteckbriefe: https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/10270
Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) hat die Beschattungspotenziale für Fließgewässer anhand einer Modellierung dargestellt. Auf https://umweltdaten.lubw.baden-wuerttemberg.de/ einfach den Begriff Fließgewässer eingeben.
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Online-Veranstaltung zu Niedrigwasser
- Am 5. November 2026 findet das Online-Fachseminar „Gewässer im Klimastress – Handlungsoptionen bei Hitze und Niedrigwasser“ des Kompetenzzentrums Wasser und Boden statt. Die Anmeldung wird in den nächsten Wochen freigeschaltet: https://wasserundboden.kea-bw.de/veranstaltungen
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